Methodische Herausforderungen

Tobias Behnen

Die Datenbasis vorliegender Statistiken zu Unternehmen hat sich als erstaunlich problematisch herausgestellt. Weder sind alle Unternehmen erfasst, noch sind die Verzeichnisse aktuell, auch gibt es keine ortsteilscharfe Zuordnung. Beim Forschungsdesign wurde deshalb auf aufwändige tiefgehende qualitative und quantitative Methoden gesetzt. Das Ziel war eine erstmalige Vollerfassung sämtlicher aktiver Unternehmen in den drei Beispielgemeinden, unabhängig von Größe und Tätigkeit. Die Grundlage der Erhebung bildeten die unter strenger Berücksichtigung des Datenschutzes zur Verfügung gestellten Gewerbelisten der Gemeinden. Diese wurden zunächst um zwei Unternehmenstypen gekürzt: zum einen um jene im ländlichen Raum relativ häufigen Firmen, die von Privatpersonen ausschließlich zur Energieeinspeisung durch Photovoltaikanlagen gegründet wurden und zum anderen um die eher seltenen persönlich haftenden, aber inaktiven GmbHs im Rahmen der Rechtsform „GmbH & Co. KG“. Diese Liste wurde dann abgeglichen und ergänzt durch frei zugängliche Verzeichnisse, insbesondere die des Bundesanzeigers und von berufsständischen Körperschaften, i.e. den zahlreichen Kammern. Sie diente als Datenbasis für danach durchgeführte Ortsbegehungen. Alle Gebäude wurden dabei in Augenschein genommen. Dies diente zusammen mit einer abschließenden Internetrecherche der Verifizierung der Existenz der Unternehmen und der weiteren Ergänzung und Korrektur der Liste. Als Ergebnis konnte eine breit angelegte Datenbank von fast 700 Unternehmen aus allen drei Wirtschaftssektoren (I.: 14 %, II.: 22 %, III.: 64 %), die mit sehr großer Wahrscheinlichkeit existieren, erstellt werden. Erstaunlich ist, dass viele Unternehmen nicht oder kaum sichtbar sind.

Es folgten mehr als 50 explorative Interviews mit wichtigen Akteuren aus den Ortsteilen, den Gemeinde- und Landkreisverwaltungen, den Wirtschaftsverbänden, dem ins Leben gerufenen Projektbeirat und besonders der Wirtschaft selbst. Die Unternehmen wurden zudem bei gut besuchten Workshops aktiv eingebunden.

Der methodische Kern der Untersuchung war eine quantitative Unternehmensbefragung mit ca. 100 Fragen. Sie wurde Ende 2018 online und per Post an alle ermittelten Unternehmen versandt. Durch die begleitende Öffentlichkeitsarbeit und die Unterstützung der Gemeinden konnte eine unerwartet hohe Rücklaufquote von 36 % (absolut: 242) erzielt werden.

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