Angststörungen

Studienbericht

Wirkungen von Angst-Selbsthilfegruppen aus der Sicht von Teilnehmenden und Psychotherapeut/inn/en

 

Quelle: Taubmann, B. und von Wietersheim, J. (2008). Die Wirksamkeit von Angst-Selbsthilfegruppen aus Patienten- und Expertensicht. In: Z  Psychosom Med Psychother, 54, S.263-276.

Institution: Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universität Ulm

Allgemeiner Überblick

In diesem Studienbericht werden die Ergebnisse einer Studie vorgestellt, die unter dem Titel „Die Wirksamkeit von Angst-Selbsthilfegruppen aus Patienten- und Expertensicht“ in einer Fachzeitschrift veröffentlicht wurden. Die Autoren gingen folgenden Fragen nach:

  1. Wie verändern sich Personen mit Angst-Problemen aus der Sicht der Forscher während sie an Angst-Selbsthilfegruppen (A-SHG) teilnehmen?
  2. Wie schätzen die Teilnehmenden selbst ihre Veränderungen ein, während sie an A-SHG teilnehmen?
  3. Wie schätzen die Teilnehmenden Wirkungen von A-SHG ein?
  4. Wie schätzen niedergelassene Psychotherapeut/inn/en die Wirkungen von A-SHG ein?
  5. Welche Ansichten haben niedergelassene Psychotherapeut/inn/en zu A-SHG?

Dieser Studienbericht stellt das Thema Wirkungen von SHG in den Vordergrund. Daher werden nur die Forschungsergebnisse zu den Fragen 1. bis 4. vorgestellt.

Stichprobe und Forschungsmethode

33 Personen mit Angst-Problemen und 155 Psychotherapeut/inn/en erklärten sich zur Mitwirkung an der Studie bereit.

Die Personen mit Angst-Problemen waren während der Studiendauer Teilnehmer/innen an A-SHG in Ulm, Heilbronn oder München. Sie wurden in einem Zeitraum von 1 Jahr mit Fragebögen an drei unterschiedlichen Zeitpunkten schriftlich befragt. Zum 3. Befragungszeitpunkt antworteten noch 30 der 33 A-SHG-Teilnehmer/innen. Es liegen über den gesamten Untersuchungszeitraum also nur die Angaben von 30 Personen mit Angst-Problemen in A-SHG vor.

Die Psychotherapeut/inn/en arbeiteten während der Studiendauer in ambulanten Praxen in Bayern oder Baden-Württemberg. Die 155 Psychotherapeut/inn/en wurden in dem Untersuchungszeitraum einmal mit Fragebögen schriftlich befragt. Insgesamt wurden aber 250 Psychotherapeut/inn/en ein Fragebogen zugeschickt, 95 Psychotherapeut/inn/en antworteten nicht.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie

1. Wie verändern sich Personen mit Angst-Problemen aus der Sicht der Forscher während sie an A-SHG teilnehmen?

Neun Studienteilnehmer/innen stuften die Belastung durch ihre Angst-Probleme als sehr schwer ein, zwölf als schwer und acht als mittelschwer. Die Belastung durch Depressionen wurde von fünf Studienteilnehmer/innen als sehr schwer beeinträchtigend eingestuft, von acht als schwer und von acht als mittelschwer. Nur jeweils eine Person empfand sowohl die Angst-Probleme als auch Depression als gering beziehungsweise sehr gering belastend.

Diese Einstufungen veränderten sich nach den Berechnungen der Forscher zwischen den Befragungszeitpunkten kaum.

Es wurden noch weitere Veränderungen untersucht, die in dem Zeitschriftenartikel beschrieben sind.

2. Wie schätzen die Teilnehmenden selbst ihre Veränderungen ein, während sie an A-SHG teilnehmen?

Die Studienteilnehmer/innen wurden am 3. Befragungszeitpunkt gebeten, ihre Angst- und Depressionssymptome im Rückblick einzuschätzen. Sie gaben die Schwere der Symptome vor einem Jahr, vor einem halben Jahr und in der letzten Woche an. Dabei zeigte sich, dass die an A-SHG teilnehmenden Personen im Durchschnitt eine nennenswerte Verbesserung ihrer Symptome wahrnahmen.

3. Wie schätzen die Teilnehmenden Wirkungen von A-SHG ein?

Die Teilnahme an der A-SHG wurde von den Teilnehmenden im Durchschnitt als hilfreich bewertet. Am hilfreichsten wurden gemeinsame Gespräche, das Zusammensein mit anderen Betroffenen, das Wissen, nicht alleine zu sein und der Informationsaustausch über die Erkrankung angesehen.

4. Wie schätzen niedergelassene Psychotherapeut/inn/en die Wirkungen von A-SHG ein?

Die große Mehrheit der Psychotherapeut/inn/en nahm an, dass der alleinige Besuch von SHG den Krankheitsverlauf nicht positiv beeinflussen kann, jedoch den Verlauf der Psychotherapie begünstigt. Dennoch empfahlen nur etwa die Hälfte der Psychotherapeut/inn/en eine SHG zu besuchen. Zudem erwarteten fast 80% der befragten Psychotherapeut/inn/en, dass psychotherapeutisch betreute A-SHG wirksamer sind, als nicht betreute A-SHG. Allerdings gab auch eine Minderheit von 14% der Psychotherapeut/inn/en an, dass sie Patient/inn/en mit Angststörungen kennen, denen eine SHG geschadet hat.

Schlussfolgerungen

Die Studie bietet gute Gründe dafür anzunehmen, dass A-SHG bei vielen Teilnehmer/inne/n eine positive Wirkung hat: Teilnehmende an einer A-SHG schätzen diese als hilfreich ein und nehmen ihre Symptomatik als gebessert wahr. Die Mehrheit der Psychotherapeut/inn/en denken, dass ihre Therapie durch A-SHG unterstützt wird, auch wenn nur ungefähr die Hälfte ihren Patient/inn/en eine Teilnahme empfiehlt.

Es gibt aber auch Anhaltspunkte dafür, dass A-SHG bei einigen wenigen Teilnehmer/inne/n eine negative Wirkung hat: Eine Minderheit der der Psychotherapeut/inn/en kennt Patient/inn/en mit Angststörungen, denen eine A-SHG geschadet hat.

WiSe

HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst
Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit
Studiengänge Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie
Standort Hildesheim
www.hawk-hhg.de

Projektleitung:
Prof. Dr. Bernhard Borgetto

Wissenstransfer für die Selbsthilfe in Kooperation mit dem IFB