Beratungsbeispiele

Beispiel 1
Studentin H. kommt mit der Aussage in die Beratung, dass ihr alles zu viel ist. Sie befindet sich jetzt vor dem dritten Prüfungsversuch und hat Zweifel, ob sie den schaffen wird. Auch hat sie Schwierigkeiten, sich zu entspannen, da sie sich um ihre Mutter große Sorgen macht. Die Mutter plant umzuziehen, obwohl die Studentin der Ansicht ist, dass ihre Mutter lieber in der Nähe bleiben sollte, da diese alleine im Leben nicht gut zurechtkommt. Das beschäftigt die Studentin so sehr, dass sie sich nicht auf das Lernen konzentrieren kann. Auch hat sie das ambitionierte Ziel, möglichst schnell fertig zu werden und alles gut und perfekt zu machen, nicht nur irgendwie durchzukommen. Sie weiß, dass sie das kann, aber zurzeit ist ihr einfach alles zu viel.

Beispiel 2
B. fällt es am Anfang sehr schwer für sein Problem Worte zu finden. Er erzählt zögerlich, dass er seit einiger Zeit immer öfter auf Verhaltensweisen und Charakterzüge seiner langjährigen Freundin stößt, die ihn massiv stören. Deswegen hat er sich vor einer Woche von ihr getrennt. Doch anstelle Erleichterung geht es ihm seitdem gar nicht gut. Als er berichtet, wie seine Freundin auf seine Trennung reagiert, beginnt er zu weinen. Er stockt, hält den Atem an und sagt: „Dieses Weinen kenne ich nicht von mir, ich dachte immer, dass ich schlecht Gefühle zeigen und ausdrücken kann. Es fällt mir ungemein schwer, meine Freundin so leiden zu sehen.“

Beispiel 3
Der Student M. kommt mit hängenden Schultern in die (…) Beratung und schildert, dass er seine Abschlussarbeit nicht schreiben könne. Er schiebt sie schon geraume Zeit vor sich her, denn er hat Angst vor Bewertung, möchte am liebsten wegrennen, fühlt sich einfach überfordert. Dazu kommt, dass er noch eine Hausarbeit schreiben muss. Die Zeit tickt und seine Erwartungen an ihn selbst sind recht hoch. Eigentlich kann er schreiben, sagt er, doch irgendwie schafft er den Anfang nicht, jeder Satz erscheint ihm irgendwie verkehrt und lapidar. Er leidet unter Appetitlosigkeit und Kopfweh. Unterstützung von seinen Freunden kann er sich nicht holen, denn dort ist er immer der, der den anderen hilft. Er möchte nun nicht „sein Gesicht verlieren“

Beispiel 4
Die Studentin C. kommt in die Beratung und ist verzweifelt. Sie kann schlecht schlafen, ihre Stimmung ist gedämpft und sie wirkt mutlos. „Ich habe überhaupt keine Idee, wie es weiter gehen soll“. Sie ist ein Jahr vor ihrem Masterabschluss und leidet darunter, dass sie nicht weiß, in welchen Bereich sie beruflich einsteigen möchte. Die Erfahrung aus dem Praktikum haben ihr bei der beruflichen Orientierung nicht geholfen, auch kann sie sich nicht so recht für einen Studienschwerpunkt begeistern. Sie vergleicht sich mit ihren gleichaltrigen Freunden, die alle schon ihren Platz in der Berufswelt gefunden haben und erlebt sich als Versagerin. Auch in ihrer WG klappt es nicht, es gibt viel Ärger mit einer Mitbewohnerin. Am liebsten möchte sie zurück in ihre süddeutsche Heimat, wo Eltern und „alte“ Freunde leben.
Früher war sie immer diejenige, bei der alles klappte. Ihr Vater sagte immer: „Schau mal meine Tochter, wie die so schön lernen kann. Die wird mal groß rauskommen“. Ihre Eltern, zu denen sie eine gute Beziehung hat, sind stolz auf sie. Denn sie ist die Erste und Einzige, die in der Familie studiert. C. erwartet viel von sich, alles soll perfekt laufen. Probleme behält sie lieber für sich.

Quelle: https://www.fh-bielefeld.de/studienberatung/psychosoziale-beratung/beratungsbeispiele