Erste Ergebnisse

In den meisten europäischen Staaten gibt es bislang nur wenige Betriebe, die aktive Landwirtschaft mit einem Angebot für alte oder an Demenz erkrankte Menschen verbinden. In Deutschland konnten 18 Betriebe recherchiert werden.

Landwirtschaftliche Betriebe mit einem Angebot für Senioren/Seniorinnen in Deutschland (Stand November 2017)

Landwirtschaftliche Betriebe mit einem Angebot für Senioren/Seniorinnen in Deutschland (Stand November 2017)

Acht Betriebe wurden für eine nähere Analyse ausgewählt, wobei sowohl die anbietenden Landwirte oder Landwirtinnen oder andere Schlüsselpersonen (9 Interviews) als auch teilnehmende Senioren und Seniorinnen ( 23 Interviews) befragt wurden.

Die landwirtschaftlichen Betriebsleiter zeigen eine große Varianz an Motiven für die Seniorenangebote, die jedoch nie einer rein betriebswirtschaftlichen Kalkulation entsprangen. Neben dem Wunsch, alle Generationen im alltäglichen Zusammenleben vertreten zu haben, kann auch ein privates Ereignis oder ein familiärer Bezug für die Thematik sensibilisiert haben. Sie haben sich vor der Etablierung ihres Angebots intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt, teilweise auch eine spezifische Weiterbildung absolviert. Durch vorherige Projekte hatten sie sich einen Überblick verschafft, an welche Ämter oder Beratungsstellen sie sich wenden könnten, wo sie gegebenenfalls Förderungen bekommen könnten und wie sie mit Widerständen umgehen. Sie haben überwiegend bereits andere Erfahrungen im Aufbau von Unternehmen oder einer Selbstständigkeit gemacht. Der Nutzen einer guten Öffentlichkeitsarbeit oder eines beruflichen Netzwerks ist ihnen daher geläufig.

Relevant für die Qualitätsbewertung durch die Seniorinnen und Senioren war insbesondere bei den Wohnangeboten die Art und Weise, inwiefern sie an einem lebendigen – nicht künstlich konstruierten – Alltag teilnehmen können. Die infrastrukturelle oder bauliche Ausstattung hatte wesentlich weniger Einfluss auf ihr Wohlbefinden der Seniorinnen und Senioren als Qualität des persönlichen Umgangs. Das Gefühl, als Individuum wahrgenommen, war hierfür entscheidend. Gute Projekte zeichneten sich darüber hinaus durch die Freiwilligkeit der Teilnahme an sozialen Angeboten aus. Eine wertschätzende Haltung gegenüber der individuellen Persönlichkeit und ihrer Selbstgestaltungsfreiheit zeigte sich nicht zuletzt darin, dass aktivierende Optionen auch abgelehnt werden durften.

Ein landwirtschaftliches Setting wirkt nicht per se. Alte Menschen, die bereits zuvor eine Affinität zur Natur hatten, schätzten es, sofern ästhetische Ansprüche erfüllt würden. Sie erfreuten sich am Anblick von Blumen, Garten oder Hecken, weniger an Silageflächen oder dem Geruch von Gülle. Andere, die sich auch vorher nicht für Pflanzen oder Tiere interessierten, maßen der landwirtschaftlichen Umgebung wenig Bedeutung bei. Kontakte zu Tieren wurden jedoch von beinahe allen Beteiligten positiv wahrgenommen. Im Rahmen der teilnehmenden Beobachtung wurden auch deutliche Effekte von Tieren auf Demenzkranke wahrgenommen. Dabei scheint es nachrangig zu sein, um welche Art von Tier es sich handelt oder ob dieses auf einem „typischen“ Bauernhof vorzufinden wäre. Die Einbettung in einen landwirtschaftlichen Betrieb war besonders dort positiv, wo dieser vielfältige Teilnahmemöglichkeiten bot, weil „Leben auf dem Hof“ war und die Seniorinnen und Senioren bewusst einbezogen wurden.

Es wurde ersichtlich, dass sich die subjektiven Interessen im Alter nicht ändern bzw. sogar weiter ausdifferenzieren. Auch im Dorf sind alte Menschen keine homogene Gruppe. Milieubedingte Aspekte, biografische Erfahrungen und die Nähe zu Angehörigen haben einen deutlichen Einfluss auf Bedürfnisse. Die Beziehung zu eigenen Kindern oder Enkeln hat beispielsweise einen hohen (normativen) Wert  und ist eine Vorgabe, dem anderes untergeordnet wird. Gemeinschaftserlebnisse sind vorrangig für diejenigen von Relevanz, deren nahe Angehörige nicht im gleichen Ort wohnen oder die keine Familie haben.