Hintergrund

In der Sozialen Arbeit werden empirische Belege und genauere Befunde zu ihren Wirkungen und zu ihrem Nutzen seit einigen Jahren immer bedeutsamer. Dies gilt auch für das noch relativ junge Arbeitsfeld der sozialen Schuldnerberatung. Zwar wurden ausgewählte Wirkungen der Schuldnerberatung  in ihrer vielfältigen Unterstützung von Menschen in sozialen Notlagen bereits untersucht. Doch sind die dazu vorliegenden Studien bereits älter. Die bisher vorliegenden Studien bieten meist auch rein quantitative Daten und sind sehr eng auf direkt erfassbare „Wirkungen“ und zum Teil auf direkt ermittelbare „Einspareffekte“ bezogen.

Es mangelt bisher an Forschungsbeiträgen, die darüber hinaus  den „Nutzen“ von Schuldnerberatung im Rahmen der Sozialen Arbeit empirisch in einem breiteren sozialwissenschaftlichen Ansatz analysieren. So lässt sich beispielsweise theoretisch über die soziale und ökonomische Ebene hinausgehend auch zwischen einem individuellen und/oder kollektiven Nutzen unterscheiden. Auch institutionelle Nutzen-Dimensionen unterschiedlichster Akteure (Träger, Gläubiger, Gerichte, Sozialbehörden…) wären zu berücksichtigen. Weitgehend unbeachtet blieben bisher in den Wirkungsanalysen auch die kulturelle und politische Dimension eines „Nutzens“ der sozialen Dienste. Mit wenigen Ausnahmen liegen bisher auch kaum Studien vor, die die Perspektive der Nutzerinnen und Nutzer selbst, sowie die Perspektive einer „Nicht-Nutzung“ von Schuldnerberatung genauer mit betrachten. Generell fehlt es in Deutschland auch an Verlaufsstudien bzw. an „Längsschnittdaten“, die Aufschluss geben zu der ebenso zentralen Frage der „Nachhaltigkeit“ sozialer Beratung, sowie zu möglichen „Drehtüreffekten“ im Kontext von Beratungsansätzen und -methoden.

Das Ziel des Forschungsprojekts ist es, genau diese aktuellen Fragen praxisnah empirisch über eine Laufzeit von 2 Jahren entlang regionaler und bedarfsspezifischer Kriterien näher zu untersuchen. Zum Abschluss des Projekts sollen konkrete Handlungsempfehlungen vorgelegt werden, die dazu beitragen können, vorhandene wie auch zusätzliche Potenziale des Beratungsangebotes zu erschließen, die bisher evtl. ungenutzt bleiben. Dies gilt insbesondere für den präventiven Bereich der Vermeidung von Überschuldung und Einkommensarmut. Das Projekt bietet forschungsmethodisch sowohl eine quantitative wie auch eine qualitative Teilstudie. Im Ergebnis sollen damit auch weitergehende Erkenntnisse zu besonders wirksamen Beratungsansätzen- und methoden präsentiert werden.