Abschlussbericht

 

 

Der Abschlussbericht des Projekts steht hier als Download zur Verfügung.

 

Vorstellung erster Ergebnisse auf Tagung des Deutschen Vereins in Berlin

Vom 14. bis 15.11.2019 fand in Berlin die jährliche Tagung des Deutschen Vereins „Fachliche und sozialpolitische Entwicklungen in der Schuldnerberatung – Forum Schuldnerberatung 2019“ statt. Uwe Schwarze und Matthias Becker stellten erste Projektergebnisse innerhalb eines 75-minütigen Vortrags vor. Im Rahmen zweier 90-minütiger Workshops wurden die Ergebnisse weiter vertieft und diskutiert.

Workshop, 14.11.2019

Die Präsentationen zu Vortrag und Workshops stehen als Download zur Verfügung:

Präsentation Vortrag

Präsentation Workshop

Interview mit Projektleiter Uwe Schwarze in Deister- und Weserzeitung

 

Am 27.9.2019 erschien in der Deister- und Weserzeitung ein Bericht über die Schuldner- und Insolvenberatung der AWO Hameln-Pyrmont. Der Bericht enthält auch ein kurzes Interview mit dem Projektleiter Uwe Schwarze.

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Abschlusstagung des Forschungsprojekts

Abschlussveranstaltung Projekt „SchuB NDS“ (Nutzen und Nachhaltigkeit sozialer Schuldnerberatung) am 25.10.2019

Zur Abschlusstagung des zweijährigen Forschungsprojekts „SchuB NDS“ (Förderung: EFRE, Land Niedersachsen, HAWK) waren rund 30 Fachkräfte aus der Schuldnerberatung, von Institutionen in der Schnittstelle zur Schuldnerberatung und Kooperationspartner des Projekts gekommen. Sie erhielten einen detaillierten Überblick über die Ergebnisse und mögliche Handlungsempfehlungen für die Praxis künftiger Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung.

Im Fokus des Forschungsprojekts stand der Nutzenaspekt einer sozialen Schuldnerberatung unter der besonderen Perspektive von Nachhaltigkeit. Das Forschungsdesign zielte somit nicht darauf ab, reine Wirkungsmechanismen der Schuldnerberatung verbunden mit möglichen Einspareffekten zu untersuchen. Vielmehr fanden in einem breiteren sozialwissenschaftlichen Ansatz sowohl quantitative wie auch qualitative Methoden Anwendung. In diesem Forschungsansatz wurden unter anderem auch ehemalige Nutzer*innen der Schuldnerberatung befragt.

Projektteam

Ergebnisse

Nach einer Begrüßung durch den Studiendekan Dr. Sigurdur Rohloff und einer Einführung in die theoretischen und methodischen Grundlagen des Forschungsprojekts durch den Projektleiter Prof. Dr. Uwe Schwarze stellte Matthias Becker erste Erkenntnisse aus der quantitativen Datenanalyse vor. Die Basis für die Untersuchung bildete ein Datensatz von 27.000 Fällen aus den Jahren 1998 bis 2017, welche vier Wohlfahrtseinrichtungen aus Niedersachsen zur Verfügung gestellt hatten.

Begrüßung durch Verw.-Prof. Dr. Sigurdur Rohloff (Studiendekan)

Die Nutzer*innen der Schuldnerberatung waren demnach im Durchschnitt eher gering qualifiziert und rund zwei Drittel waren zum Zeitpunkt der Kontaktaufnahme in keinem regulären Beschäftigungsverhältnis. Das Alter betrug im Durchschnitt ca. 39 Jahre, wobei im Bereich 55+ in den letzten Jahren ein erkennbarer Anstieg zu verzeichnen ist. Das Geschlechterverhältnis unterscheidet sich kaum. Rund zwei Drittel der Nutzer*innen hatten die Schuldnerberatung auf Eigeninitiative hin aufgesucht. Für über 50 Prozent der Nutzer*innen mündete die Beratung in ein Verfahren zur „Privatinsolvenz“. Die durchschnittliche Beratungszeit hatte sich wahrscheinlich aus diesem Grund in den letzten Jahren auf 8 Monate verkürzt, lag Ende der 1990er Jahre noch deutlich höher. Ein Ergebnis der quantitativen Analyse überraschte auch die anwesenden Schuldnerberater*innen: aktuell werden lediglich 69 der insgesamt rd. 220 niedersächsischen Schuldnerberatungen verschiedenster Träger aus Landesmitteln gefördert. Dieser Umstand ist mit einer oftmals mangelnden Transparenz über die Finanzierungsstrukturen verbunden, die es Hilfesuchenden unnötig erschwert, seriöse Hilfe bei der Problemlösung zu erhalten.

Anschließend präsentierten Prof. Dr. Uwe Schwarze, Lina Jäger und Daniela Hihn Resultate aus der qualitativen Teilstudie. In den Expert*inneninterviews mit 18 Fachkräften von Einrichtungen in der Schnittstelle zur Schuldnerberatung und mit 15 Schuldnerberater*innen fragten sie danach, welche Dimensionen von Nutzen diese in der Beratung sehen und wie sie die Aspekte der „Nachhaltigkeit“ und das „Soziale“ in Bezug auf den Verlauf der Schuldnerberatung bewerten.

Die befragten Schnittstellen betonten einen mehrdimensionalen Nutzen, der sowohl einen individuellen als auch kollektiven und gesellschaftlichen Nutzen beinhaltet. Besonders hoben sie den interinstitutionellen Nutzen für sich selbst hervor, der beträchtliche Arbeitsentlastung bedeutet, etwa für Gerichte, Jobcenter, Sozialbehörden oder auch für Gläubiger, Kreditinstitute, Vermieter und Arbeitgeber.

Die Befragung der Schuldnerberater*innen ergab eine ähnliche Bewertung. Das Verständnis von „nachhaltiger Schuldnerberatung“ ist dabei aber nicht homogen. So gibt es Stimmen, die den Begriff eher kritisch sehen, für andere Fachkräfte ist die Orientierung an „Nachhaltigkeit“ für eine gelingende Beratung jedoch essentiell.

Beiden Gruppen gemein ist die hohe Bedeutung, die sie den über Beratungsprozesse erzielten „Lerneffekten“ beimessen, die sowohl in Bezug auf den Nutzen als auch auf Nachhaltigkeit der Beratung in den Interviews beschrieben wurden. Vor diesem Hintergrund fiel auf, dass die Ursachenanalyse zu Wegen von der Ver- in die Überschuldung im Beratungsverlauf nur eine untergeordnete Rolle spielt. Der Blick ist eher nach vorn gerichtet. Erklärtes Ziel ist oft das schnelle Erreichen eines schuldenfreien Lebens für die Nutzer*innen, wobei mangels Daten meist ungeklärt bleibt, ob dies auch „nachhaltig“ erreicht wird.

Hier wie auch im Blick der Schnittstellen-Akteure auf die Schuldnerberatung ist eine starke Individualisierung des sozialen Problems der Überschuldung privater Haushalte zu erkennen, in der die strukturellen Ursachen (Niedrigeinkommen, Arbeitslosigkeit, Kreditmarketing, usw.) zu wenig mit einbezogen werden. Im Hinblick auf die Schnittstellen ist im Projektverlauf der Eindruck entstanden, dass jede Institution doch vorrangig an den eigenen internen Abläufen festhält und es an systematischen gemeinsamen Handlungslogiken mangelt. In diesem Punkt, wie auch in einem teilweise erkennbaren überhöhten Anspruch an die eigene Arbeit, liegen besondere Risiken einer Überforderung der Schuldnerberater*innen.

Bezüglich der sozialen Komponente der Schuldnerberatung betonten alle Befragten die Wichtigkeit eines freiwilligen kostenfreien Zugangs. In der Fachlichkeit wurde eine Beratung auf Augenhöhe und eine ergebnisoffene Gesprächsführung als wichtig erachtet.

Christoph Doering übernahm die Vorstellung der Ergebnisse aus den qualitativen Interviewanalysen mit den 6 befragten Nutzer*innen. Die befragten Personen hatten aus Eigeninitiative die Schuldnerberatung aufgesucht. Gemeinsam war allen ein niedriges Einkommen und eine langjährige Überschuldung. Im Rückblick herrschte bei den Befragten eine überwiegend positive Bewertung der Beratung und Begleitung durch die soziale Schuldnerberatung – verbunden mit großem individuellen Nutzen für die Befragten. Abstrahiert wurde auch in dieser Teilstudie zugleich ein hoher gesellschaftlicher Nutzen der Schuldnerberatung deutlich. Hinsichtlich der von Schuldnerberater*innen und Schnittstellen-Akteuren stark betonten „Lerneffekte“ ergab sich kein einheitliches Bild. Empirisch belegen lassen sich aus Sicht der befragten Schuldner*innen aber eindeutig „Aha-Effekte“ und ein „biografisches Erfahrungslernen“, das von Schuldnerberatung initiiert, begleitet und unterstützt werden kann, so die abschließenden Befunde. Diese Unterstützungsformen schaffen für die Nutzer*innen erhebliche Entlastungen und neue Perspektiven – sowohl materiell wie auch psychosozial und emotional.

Handlungsempfehlungen

In der abschließenden Diskussionsrunde erarbeitete das Projektteam gemeinsam mit den Anwesenden erste Handlungsoptionen, um mögliche zusätzliche Beratungspotenziale zu erschließen. Dabei kristallisierte sich heraus, dass in Zukunft eine bessere Vernetzung der staatlich finanzierten Schuldnerberatungen auf vielerlei Ebenen nötig ist.

So ist z.B. für künftige Forschungsvorhaben eine kritische Reflexion und Operationalisierung von verwendeten Begrifflichkeiten zu „Ursachen“, „Auslösern“, „Beginn“, „Ende“ und „Dauer“ der Beratung sowie zu ihren „Ergebnissen“ für eine Datenauswertung wichtig. Eine Abbildung struktureller Einflüsse sowie eine Berücksichtigung eher weicher persönlichkeitsbezogener Daten und eine Dokumentation, die stärker auch Beratungsverläufe abbildet, könnten in Zukunft weitere wichtige Aufschlüsse bieten. Aus Nutzer*innenperspektive müsste dringend eine Transparenz in den Finanzierungs- und Angebotsstrukturen gewährleistet sein und ein möglichst offener und kostenfreier Zugang gesichert werden.

Einen weiteren Aspekt stellen die Werbung bzw. das Marketing in eigener Sache dar, um die Bedeutung einer „Sozialen Schuldnerberatung“ für die Gesellschaft sichtbarer zu machen und zugleich den Stellenwert der vielfältig Nutzen bringenden Arbeit auf politischer Ebene zu vermitteln.

Aus der Runde der Anwesenden wurde zum Abschluss der Wunsch nach einer Fortführung des Projekts geäußert, da allgemein Einigkeit über das große Potenzial der Ergebnisse bestand. Eine Vertiefung einzelner Analysen würde so noch weitergehende Erkenntnisse liefern, die bei einer ergänzenden Förderung auch breiter publiziert werden könnten.

Arbeitspapier 01-2019

Im Rahmen der Projektförderung wurde ein Zwischenbericht erstellt (Stand: 25.04.2019), den wir in überarbeiteter Form gerne auch der interessierten (Fach-)Öffentlichkeit zur Verfügung stellen: SchuB Nds. Arbeitspapier 01-2019

Forschungstag der Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit

Das Projekt beteiligte sich am 30.10.18 mit einem Poster am Forschungstag der Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit an der HAWK. Kathrin Mittelstät und Matthias Becker informierten und diskutierten im Rahmen der Posterpräsentation mit Kolleg/inn/en und Studierenden über die methodische Konzeption und den aktuellen Stand der Projektarbeit.

 

 

 

 

 

 

 

Bericht zum Forschungstag

Erweiterung der Datenbasis

Gegenstand der Analyse werden Daten aus drei weiteren Regionen Niedersachsens sein. Wir bedanken uns für die Unterstützung.

 

 

 

 

Kooperation mit der LAG FW

Als weiterer Kooperationspartner unterstützt die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege in Niedersachsen e.V. unser Forschungsprojekt. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit!

Auftaktveranstaltung

Die Auftaktveranstaltung des Forschungsprojekts fand am 1.12.17 statt.

Einen Bericht zur Veranstaltung finden Sie hier.

Die Präsentation des Forschungsprojekts und der Vortrag von Prof. Dr. Hans Ebli sind im Bereich Downloads abrufbar.

Ankündigung Auftaktveranstaltung

Am 1.12.17 findet an der HAWK die Auftaktveranstaltung des Forschungsprojekts statt.

Das Programm der Auftaktveranstaltung findet sich unter Downloads.

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