MEDTECH-NACHRICHTEN

Juli 2020

Universitätsmedizin Göttingen: Neues Verfahren zur Analyse von Gewebeproben

Gezielter analysieren: Die Studie CT_Laser_Bone der UMG in Kooperation mit der HAWK und der Firma LLS ROWIAK probt ein neues Verfahren zur Analyse von Knochenproben.

Wissenschaftler um Dr. Christian Dullin vom Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) haben die Ideen zu einem neuen Verfahren zur histologischen Analyse von Gewebeproben in die Praxis umgesetzt.


Die Wissenschaftler stehen im Rahmen einer vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Studie mit dem Namen CT_Laser_Bone in Kooperation mit der Firma LLS ROWIAK LaserLabSolutions und Promovierenden der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK). Nach Angaben der HAWK sei das Problem, dass für eine genaue Diagnosestellung häufig eine mikroskopische Analyse von mikrometerdünnen Gewebeschnitten benötigt wird.
Bei Knochenproben sei das Anfertigen dieser Schnitte schwierig. Die Wissenschaftler an der UMG konnten zeigen, dass mithilfe der hochauflösenden Röntenbildgebung, der sogenannten Micro Computer Tomografie, kleinste Details in solchen Proben dreidimensional dargestellt werden können. Mit diesen Informationen sei es möglich, die Schnittführung gezielter zu legen.
Die Firma LLS ROWIAK hat zur Umsetzung der Idee das Lasermikrotom „TissueSurgeon“ zur Verfügung gestellt. Damit sei es möglich, etwa zehn Mikrometer dünne Schnitte von nicht entkalkten Knochenproben anzufertigen. Um die Mitarbeiter der Studie in die Nutzung einzuführen, fand am 9. Juli ein Treffen mit allen Partnern an der UMG statt.
Quelle: Yasmin Dreessen

Medizintechnik-Projekt für die Nordseeregion: Exoskelette sollen schwere Arbeit erleichtern

Juni 2020

Exoskelette können zur Vorbeugung von Krankheiten eingesetzt werden. Die außen am Körper anliegend getragene Konstruktion nimmt die auf bestimmte Körperregionen ein- wirkenden äußeren Kräfte auf und leitet sie ab. So können Menschen mit passiven Exoskeletten verschiedene Be-wegungen wie etwa das Heben von schweren Gegenständen
mit weniger Kraftaufwand ausüben – oder in sonst unergonomischer Haltung, etwa beim Blick zur Decke, länger ohne große Ermüdungserscheinungen oder Muskelbe-schwerden arbeiten.

Das internationale Projekt Exskallerate hat sich zum Ziel gesetzt, Exoskelette vermehrt einzusetzen. Der Gesundheitscampus Göttingen, ein Kooperationsprojekt der HAWK und der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), ist einer von 13 Projektpartnern aus sechs an der Nordsee angrenzenden Ländern. Das Vorhaben dient dazu, die Technik bei Bau- oder Industriearbeiter*innen zu testen, anzuwenden und weiterzuentwickeln. Im Baugewerbe, in der industriellen Fertigung, in der Logistik, Lageristik und in der Pflege müssen Menschen schwere Arbeit verrichten, die Rücken und Muskulatur belastet. Krankheiten
und damit Arbeitsausfälle sind oft die Folge. Abhilfe könnten bei der Arbeit getragene Exoskelette schaffen, die die anstrengenden Tätigkeiten erleichtern.

„Die HAWK ist seit Projektstart im Januar 2020 Partner und betreut unter anderem die Anwendung
von verschiedenen Exoskelett-Varianten“, sagt Prof. Dr. Christoph Rußmann,
der im Studiengang Mediziningenieurwesen lehrt. Rußmann leitet das Projekt auf Seiten
des Gesundheitscampus Göttingen und beschreibt: „Um das Exoskelett-Design weiterzuentwickeln,
werden serienmäßig produzierte, passive Exoskelette in Feldlaboren erprobt
und die zu verbessernden Produktmerkmale ermittelt. Ziel ist, die industrielle Anwendbarkeit
und Akzeptanz in der Industrie zu erhöhen.“

Bis zu 44 Millionen Arbeitnehmer*innen in der Europäischen Union (EU) sind von arbeitsplatzbedingten
Muskel-Skelett-Erkrankungen betroffen, die der Industrie jährliche Gesamtkosten von mehr als 300 Milliarden Euro verursachen. Exoskelette haben die Fähigkeit, die Zahl der Verletzungen des Bewegungsapparats zu verringern und den Komfort am Arbeitsplatz zu erhöhen, wodurch die Kosten für ein Unternehmen langfristig gesenkt werden können.
Das internationale Konsortium aus Unternehmensförderungsorganisationen, Clustern und Forschungs-instituten wird Feldlabore entsprechend den wichtigsten KMU-Herausforderungen mitgestalten. Die Partner werden verschiedene Workshops durchführen, in denen Expert*innen Instrumente zur Unterstützung der Entscheidungsfindung bei der Einführung von Exoskeletten vorstellen werden – eine Schlüsselherausforderung, die eine derzeitige Einführung einschränkt.

Partner
Aalborg University (DK)
Centre for Information Technology and Architecture (DK)
Construction Scotland Innovation Centre (UK)
Edinburgh Napier University (UK)
HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaften und Kunst Göttingen (D)
Högskolan i Gävle (University of Gävle) (SE)
InnovationQuarter (Lead Partner) (NL)
Katholieke Universiteit Leuven (Catholic University of Leuven) (NL)
MoWiN – Regionalmanagement Nordhessen (D)
Provinciale Ontwikkelingsmaatschappij West-Vlaanderen (Provincial Developement
Agency West Flanders) (BE)
TNO Netherlands Organisation für Applied Scientific Research (NL)
University of Twente (NL)
Vrije Universität Brussel (Free University of Brussels) (BE)

Quelle Text: HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst