Arbeitsschritte im Projekt

Die Arbeit vor Ort ist in, sich zum Teil überschneidende, Arbeitspakete gegliedert. Parallel dazu wird eine Datenbank guter Beispiele von Beratung, Förderung und Begleitung (migrantischer) Gründungen und Unternehmen erstellt. Rückkopplungen durch die wissenschaftliche Begleitung und Evaluation während und zwischen den Arbeitsphasen stellen sicher, dass Erkenntnisse, in einem kontinuierlichen Prozess in die Projektarbeit integriert werden. Abschließend sollen Möglichkeiten und Anforderungen für Verstetigung und Transfer von Erkenntnissen und Konzepten erarbeitet werden.

1. Analyse der Ausgangslage in den Regionen (abgeschlossen)

Zu Beginn wird potenzial-, problem- und lösungsorientiertes Systemwissen zur Unterstützung migrantischer Unternehmen und Gründer_innen sowie zur interkulturellen Öffnung und Bildung von Verwaltung und Organisationen generiert. Es geht zunächst darum, die Situation in den Untersuchungsregionen aufzuarbeiten, z.B. sozio-demographische Daten, Informationen über Prozesse und Strukturen von Unternehmen, Verwaltung, Organisationen, Flächenverfügbarkeit, Leerstände etc. sowie vorhandene Strukturen der Gründungsberatung und Integrationsförderung. Zur Einordnung in die jeweils bestehenden Rahmenbedingungen ist es zudem erforderlich, z.B. landesspezifische Regelungen und Fördermaßnahmen zu ermitteln.

Ziel dieses Arbeitspakets ist es, die lokalspezifischen Erfolgsfaktoren und Hemmnisse der Unterstützung migrantischer Unternehmen und Gründungen und darauf aufbauend erste Ansatzpunkte für Weiterentwicklungen zu erkennen.

Grundlage dafür bilden Expert_inneninterviews, Quellen-, Literatur- und Materialstudium sowie Hospitationen in Beratungsgesprächen. Die Auswertung erfolgt dem Paradigma der Grounded Theory folgend, mit einer Kombination aus Verfahren von Grounded Theory und qualitativer Inhaltsanalyse.

2. Konzept- und Prozessentwicklung (seit 1/2018)

Aus den Ergebnissen der Analysen sowie der Auftaktveranstaltungen werden stadtübergreifende Module oder Konzepte, inklusive Methoden zur Umsetzung, für das Beratungsangebot in vier Themenbereichen entwickelt:

  • Konzept zur Ansprache potenzieller Gründer_innen, bestehender Unternehmen mit Beratungsbedarf sowie von Unternehmen, bei denen Geschäftsübergaben anstehen
  • Entwicklung von Modulen für eine individuelle Gründungs- und Übernahmeberatung in Zusammenarbeit mit Wirtschaftsförderung etc.
  • Entwicklung von Modulen einer interkulturellen Beratung und Fortbildung für Verwaltung, Politik und Organisationen
  • Entwicklung von Modulen einer interkulturellen Regionalentwicklung und Wirtschaftsförderung, z.B. zum Umgang mit Leerständen

3. Reallabore in den drei Landkreisen (seit 1/2018)

Das umfassendste Arbeitspaket des Projekts sind Umsetzungen/Erprobungen und Weiterentwicklung der entwickelten Konzepte und Module in den drei Landkreisen. Entsprechend der konkreten Bedarfe vor Ort sollen über ca. zwei Jahre potenzielle Gründer_innen und Unternehmer_innen durch die regionalen Servicebüros angesprochen und begleitet werden. Geplant sind dafür:

  • Informationsveranstaltungen für die Vorsitzenden von Organisationen von Migrant_innen, für die Integrationsförderungen und Netzwerker_innen über bestehende Beratungsangebote und Vernetzungsmöglichkeiten.
  • Organisation von Informationsveranstaltungen für interessierte oder gründungswillige Menschen mit Migrationshintergrund (Referent_innen: Wirtschaftsförderungen der Landkreise)
  • Vielleicht könnte man noch eine weitere Veranstaltungen für migrantische Unternehemer_innen anbieten, um über Fördermöglichkeiten im laufenden Betrieb zu informieren? Es gibt ja z.B. Förderungen für Weiterbildungsmaßnahmen der Mitarbeiter_innen, für Investitionen usw..

Daneben findet eine stetige bedarfsgerechte Beratung und Schulung der Mitarbeiter_innen in Verwaltung und Organisationen (u.a. Kammern, Verbände, Migrant_innenorganisationen, Integrationsförderung) hinsichtlich interkultureller Kompetenzen statt.

Die Konzepte und Module werden auf Grundlage der stetigen vergleichenden Betrachtung aller drei Reallabore sowie im Austausch mit Praxisakteur_innen und den Erkenntnissen der vertieften Projektrecherche jeweils bedarfsgerecht weiterentwickelt.

4. Datenbank guter Beispiele

Parallel zur Analyse der Regionen findet eine bundesweite Recherche von Beratungs- und Weiterbildungsprojekten im Themenbereich statt. Grundlage dafür bildet zunächst vor allem eine Internet-Recherche bei Bundes- und Landesministerien, Organisationen/Vereinigungen der Wirtschaft (Handwerkskammern, IHKs etc.) sowie Organisationen/Vereinigungen der Integrationsförderung oder bei Städten/Landkreisen. Hilfreiche Projekte werden in einer Online-Datenbank auf der Homepage öffentlich zur Verfügung gestellt.

Ziel ist es, einen Überblick über vorhandene Projekte/Konzepte zur Förderung migrantischer Unternehmen und Gründungen sowie zur interkulturellen Bildung/Öffnung von Verwaltungen und Organisationen zu schaffen.

5. Prozessbegleitende Evaluation und Weiterentwicklung

Es wird ein Konzept für die Evaluation der Reallabore erarbeitet, das anhand der gewonnenen Erfahrungen in den Umsetzungsprozessen stetig weiterentwickelt wird. Dabei werden Phasenmodelle der sozialwissenschaftlichen Innovationsforschung herangezogen, die Ereignisse zeitlich ordnen und beteiligte Akteur_innen und Handlungsweisen entsprechend zu ordnen (z. B. das klassische 3-Phasen-Modell, das Einführung, Fermentierung, Stabilisierung unterscheidet, vgl. Braun-Thürmann 2005; sowie die Adaption auf planungsbezogene Innovationen bei Ibert u.a. 2015).

Ziel dieses Arbeitsschritts sind zunächst jeweils regionsspezifische Konzept-, Modul-, Ideenzusammenstellungen mit Aussagen zu Umsetzbarkeit, Erfolgen und Misserfolgen. Die Ergebnisse werden begleitend in das Online-Angebot eingepflegt. Durch theoretisch fundierte Systematisierungen sollen Handlungsempfehlungen vom Einzelfall gelöst werden, um Aussagen zur Übertragbarkeit, also Transformationswissen zu erzeugen.

6. Transfer und Verstetigung

Der Transfer von Erkenntnissen aus dem Projekt wird zunächst in den drei Regionen durch die Arbeit der Servicebüros sichergestellt. Durch interkommunale Zusammenarbeiten ist eine Verbreitung in die Regionen in räumlicher Nähe zu erwarten und wird durch regionale Vernetzungen der Servicebüros aktiv betrieben.

Über Publikationen, Tagungsbeiträge, den Endbericht u.ä. werden Projektergebnisse in der Fachwelt verbreitet. Gerade mit Blick auf die Praxis kommen dafür themennahe Vernetzungsplattformen, wie Veranstaltungen bei Bundes- und Landesministerien oder einschlägige Wirtschaftsfördertagungen in Betracht. Der interdisziplinäre Diskurs innerhalb des Projekts sowie mit dem Projektbeirat stellt sicher, dass die Ergebnisse an wissenschaftliche Diskurse in verschiedenen Disziplinen anschlussfähig sind.

Trägerschaft(en) für Beratungs- und Fortbildungsangebot sowie für das Online-Angebot sind zu finden. Denkbar ist eine dauerhafte Finanzierung durch die Länder und die Ansiedlung bei Organisationen oder ggf. Verwaltungen, die sich im Projektverlauf durch Interesse und Mitarbeit hervorgetan haben.

 

Zu den Quellen.