Interview mit Gerhard Kemper FRICS

Interview mit Gerhard K. Kemper, Honorarprofessor an der HAWK und Fellow der Royal Institution of Chartered Surveyors

 Wie lange sind Sie schon Mitglied in der RICS?

Kemper:

Die RICS startete in Deutschland Anfang der 90er Jahre. Ich bin im Jahr 1996 MRICS (Member oft he Royal Institution of Chartered Surveyors) geworden. Die akademischen Voraussetzungen habe ich über den Immobilienökonom an der EBS (damals Östrich-Winkel) erfüllt. Diese Hochschule war damals eine der wenigen mit RICS Akkreditierung. Heute sind es immer noch relativ wenige, seit letztem Jahr sind die Bachelor und Master Programme der Immobilienwirtschaft an der HAWK akkreditiert. Ich habe mich damals im zarten Alter von 45 Jahren der regulären RICS-Prüfung unterzogen. Es war sehr aufregend. Im Jahr 2005 wurde ich dann zum FRICS (Fellow oft he Royal Institution of Chartered Surveyors) gekürt.

Was bedeutet die RICS für Sie?

Kemper:

Die RICS ist ein traditionsreicher Berufsverband der Immobilienwirtschaft der natürlich die Interessen seiner Mitglieder vertritt, aber darüber hinaus auch übergreifende Standards in der Immobilienwirtschaft setzen will. In Großbritannien hat die RICS eine Royal Charter, die sie als Regulierungsbehörde legitimiert. Im Rest der Welt ist die RICS eine angesehene Institution, die auch das öffentliche Interesse vertritt. Eine der wesentlichen Stärken ist die Betonung der ethischen Standards, die gerade hier in Deutschland eine große Rolle spielt. Von einem MRICS kann man erwarten, dass er Interessenkonflikte erkennt und transparent damit umgeht. Für mich als Immobilienmakler war das damals ein wichtiger Grund, um mich auch formell von den „schwarzen Schafen“ der Branche abzugrenzen.

Wie wird man MRICS?

Kemper:

Es gibt verschiedene Wege Mitglied der RICS zu werden. Für die Studierenden ist der wichtigste Weg die sogenannte Graduate Route. Nachdem man ein akkreditiertes Studienprogramm absolviert hat, führt man 2 Jahre lang Tagebuch über seine beruflichen Aktivitäten und kann sich danach zur Prüfung anmelden. Das Führen des Tagebuches demonstriert, dass man in den gewählten Berufsfähigkeiten Erfahrungen gesammelt hat, die dann auch in der Prüfung eine Rolle spielen. Das Tagebuch ist zwar lästig, erfordert aber nur einen geringen Zeitaufwand. Es stellt sicher, dass man neben dem theoretischen Wissen auch die nötige praktische Erfahrung hat. Meine Empfehlung an die Studierenden ist, sich so schnell wie möglich anzumelden, damit das theoretische Wissen noch einigermaßen frisch ist, wenn man zur Prüfung antritt. Nachdem man einige Zeit MRICS war und sich in der Immobilienwirtschaft und durch Tätigkeiten im Verband verdient gemacht hat, kann man einen Antrag auf FRICS Höherstufung stellen.

Warum sollten sich die Studierenden schon im Studium bei der RICS registrieren?

Kemper:

Eine Studentenmitgliedschaft in der RICS ist kostenlos. Durch die Registrierung bekommt man Zugang zur RICS (man kann zum Beispiel an den regionalen Treffen teilnehmen) und wird ständig informiert. Dazu gehören die RICS Veranstaltungen, die Prüfungstermine und Änderungen im Aufnahmeprocedere. Diesen Zugang zum Netzwerk der RICS Mitglieder halte ich gerade in der Karriereanfangsphase für sehr hilfreich.

Von welchen Vorteilen profitiert man im Berufsleben?

Kemper:

Die RICS hat über 100.00 Mitglieder in allen Herren Ländern. Auf dem internationalen Parkett bedeuten die 4 Buchstaben hinter dem Namen Vertrauen. Wenn man z.B. einen Kollegen aus Hong Kong trifft, weiß man, dass er eine gute Immobilienausbildung hat und sich ethischen Standards verpflichtet fühlt. Im internationalen Geschäft ist das Gold wert. Aber auch in Deutschland hat die Mitgliedschaft einen großen Stellenwert erreicht. Im Immobiliengeschäft werden ja von relativ wenigen Menschen große Geldsummen bewegt. Umso wichtiger ist die Reputation der Akteure. Hier leistet die RICS Mitgliedschaft einen großen Beitrag. Dazu kommt das außergewöhnlich starke und aktive Netzwerk: durch Mitarbeit in den verschiedenen professional Groups arbeitet man mit anderen Spezialisten zusammen; man trifft sich auf Veranstaltungen wie dem RICS Focus in Berlin oder auf den regionalen Meetings. Es gibt unzählige Möglichkeiten mit anderen RICS Mitgliedern Geschäfte zu machen oder von deren Beziehungsnetzwerk zu profitieren. Die Mitgliedschaft lohnt sich.

 

Das Interview wurde geführt von der Blog-Redaktion

 

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