Über FSPT19

Empirische Forschung und Theorieentwicklung verbinden

Empirische (klinische) Forschung und Theorieentwicklung sind keine Gegensätze sondern bilden im Idealfall eine Symbiose. Die Symbiose (griech. „zusammen leben“) bezeichnet in der Biologie die Interaktion zweier oder mehrerer unterschiedlicher Arten, verbunden mit einem beidseitigen Vorteil im Hinblick auf die Überlebenswahrscheinlichkeit. Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um das Wesen und die Zukunft der Physiotherapie („The end of Physiotherapy“[1]) sowie politischer Entwicklungen (Akademisierung, Schulgeldfreiheit, Ausbildungsvergütung, Blankoverordnung) stellt sich in der Tat die Frage, wie sich die Physiotherapie als Profession und Disziplin über die nächsten Jahrzehnte behaupten kann.

Während die empirische (klinische) Forschung und Evidenzbasierung in Deutschland, gefördert durch Akademisierung, Vernetzung und neue Förderlinien, weitestgehend den Anschluss an internationale Standards gefunden hat, ist das Berufsbild der Physiotherapie in Öffentlichkeit und Wissenschaft oft geprägt von einer einseitigen Perspektive auf dem Erbringen von Maßnahmen („Massage“[2]) als medizinischer Assistenzberuf. Dringend erforderlich ist es deshalb, das Profil der Physiotherapie über die Weiterentwicklung eigenständiger Theorien, des Gegenstandes und der Methoden zu schärfen und so den einzigartigen Beitrag der Physiotherapie in der Gesundheitsversorgung und -forschung zu verdeutlichen. Theorie ist die Grundlage für die Entwicklung von disziplinspezifischen Fragestellungen, Hypothesen, Modellen und Studiendesigns. Andererseits braucht es empirische Forschung, um die Gültigkeit von Theorie und deren Relevanz für die Praxis empirisch zu untermauern. Das Ziel des Symposiums ist es deshalb, die Wechselbeziehung von empirischer Forschung und Theorieentwicklung zu beleuchten, den Diskurs anzuregen und so neue Wege zu aufzuzeigen. Dazu wird es Beiträge zur internationalen und nationalen Theorieentwicklung in der Physiotherapie geben, Einblicke in die aktuelle empirische Forschung in Deutschland sowie Workshops, die unterschiedliche Themen aus Theorieentwicklung und empirischer Forschung fokussieren.

Wie auch bei den vorangegangenen Forschungssymposien freuen wir uns deshalb über eine Vielfalt von Beiträgen aus allen Bereichen der Physiotherapiewissenschaft, wie zum Beispiel empirische klinische Forschung, Theorieentwicklung, qualitative Forschung, Versorgungsforschung, Implementationsforschung, Prognoseforschung, methodologische Forschung und mehr, und natürlich auf eine spannende, kontroverse und anregende Diskussion!

Bis bald in Hildesheim!

Prof. Dr. Axel Schäfer (Symposiumspräsident)

 

[1] Nicholls, D. A. (2017). The end of physiotherapy (1st ed.). London: Routledge.
[2] “Blankoscheck für Massage“ Spiegel vom 12.01.2019. Artikel zum Thema Blankoverordnung für Physiotherapie