Forschungsprojekt ExTer

Gemeinschaftliche Selbsthilfe kann die Bewältigung der gesundheitlichen Folgen von Terroranschlägen unter-stützen

Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hat die HAWK – Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst und das Institut für Medizinische Soziologie der Universität Hamburg mit der Erstellung einer Expertise beauftragt, die die Möglichkeiten und Grenzen der gesundheitlichen Selbsthilfe von Terroropfern, z. B. im Rahmen von Selbsthilfegruppen, zum Gegenstand hat.

Terroranschläge hinterlassen traumatisierte und schwerverletzte Menschen, die in dieser belastenden persönlichen Situation Unterstützung bei der Verarbeitung der Erlebnisse brauchen. Besonders das Unerwartete und die grausame Handlung von Mensch zu Mensch scheinen die Besonderheit der Terrorereignisse gegenüber anderen traumatisierenden Ereignissen auszumachen. Das Miterleben eines solchen Ereignisses verbreitet Angst und Schrecken nicht nur bei unmittelbar betroffenen Personen, sondern auch bei deren Angehörigen bzw. Hinterbliebenen sowie Zeugen der Tat. Terroranschläge können bei direkt und indirekt betroffenen Menschen eine Vielzahl gesundheitlicher Schäden, Störungen und Erkrankungen verursachen, sowohl körperlicher als auch psychischer und seelischer Art.

Die Expertise kommt zu der Schlussfolgerung, dass Selbsthilfe-Aktivitäten, teilweise unter bestimmten Voraussetzungen insbesondere bei Selbsthilfegruppen (SHG), geeignet sind, die Bewältigung der gesundheitlichen Folgen von Terroranschlägen zu unterstützen. Entstehende spezifische Selbsthilfe-Initiativen von Terroropfern sollten unterstützt werden.

In Deutschland bilden Selbsthilfekontaktstellen und -unterstützungsstellen mit über 300 regionalen Unterstützungseinrichtungen ein flächendeckendes, dezentrales und krankheitsübergreifendes Beratungs- und Vermittlungsnetz für selbsthilfeinteressierte Betroffene mit jeglichen Anliegen.

Selbsthilfekontaktstellen können dabei helfen, dass Terroropfer über die Möglichkeiten und Chancen einer Gruppenteilnahme adäquat informiert und falsche oder überhöhte Erwartungen gerade gerückt werden. Darüber hinaus können sie sich mit Einrichtungen der Opferhilfe zum Zweck des Austausches und der gegenseitigen Information vernetzen.

Die Erfüllung dieser Funktionen wiederum kann und sollte gefördert werden. Dabei sollten zunächst psychotraumatologische Fortbildungs- und Unterstützungsangebote sowie die Schaffung jeweils regionaler Transparenz und Vernetzung der Hilfsangebote für Terror- bzw. Gewaltopfer unterstützt werden. Darauf aufbauend ist dringend ein Prozess zur Klärung der individuellen Voraussetzungen der SHG-Teilnahme von traumatisierten Terroropfern und der Vorgehensweisen von SHU zu empfehlen, der zunächst aus dem Kreis der Selbsthilfe-Unterstützer*innen heraus entwickelt werden sollte.

Die gesundheitliche gemeinschaftliche Selbsthilfe und die Einrichtungen zur Selbsthilfe-Unterstützung sollten dementsprechend in ein Gesamtkonzept zur Opferhilfe eingebunden werden.

 

Download: Expertise zur gemeinschaftlichen Selbsthilfe von Terroropfern

Zugang zur Expertise über das Bundesministerium für Gesundheit