Forschungsprojekt ExTer

Gemeinschaftliche Selbsthilfe kann die Bewältigung der gesundheitlichen Folgen von Terroranschlägen unter-stützen

Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hat die HAWK – Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst und das Institut für Medizinische Soziologie der Universität Hamburg mit der Erstellung einer Expertise beauftragt, die die Möglichkeiten und Grenzen der gesundheitlichen Selbsthilfe von Terroropfern, z. B. im Rahmen von Selbsthilfegruppen, zum Gegenstand hat.

Terroranschläge hinterlassen traumatisierte und schwerverletzte Menschen, die in dieser belastenden persönlichen Situation Unterstützung bei der Verarbeitung der Erlebnisse brauchen. Besonders das Unerwartete und die grausame Handlung von Mensch zu Mensch scheinen die Besonderheit der Terrorereignisse gegenüber anderen traumatisierenden Ereignissen auszumachen. Das Miterleben eines solchen Ereignisses verbreitet Angst und Schrecken nicht nur bei unmittelbar betroffenen Personen, sondern auch bei deren Angehörigen bzw. Hinterbliebenen sowie Zeugen der Tat. Terroranschläge können bei direkt und indirekt betroffenen Menschen eine Vielzahl gesundheitlicher Schäden, Störungen und Erkrankungen verursachen, sowohl körperlicher als auch psychischer und seelischer Art.

Selbsthilfe-Aktivitäten sind, teilweise unter bestimmten Voraussetzungen insbesondere bei Selbsthilfegruppen (SHG), geeignet, die Bewältigung der gesundheitlichen Folgen von Terroranschlägen zu unterstützen. Entstehende spezifische Selbsthilfe-Initiativen von Terroropfern sollten unterstützt werden.

Selbsthilfe-Unterstützungseinrichtungen (SHU) bilden in Deutschland ein flächendeckendes, dezentrales und krankheitsunspezifisches Beratungs- und Vermittlungsnetz. Die Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS) arbeitet überregional und themenübergreifend zu grundsätzlichen Fragen der Selbsthilfearbeit, die über die besonderen inhaltlichen Problemstellungen von einzelnen Selbsthilfegruppen und Selbsthilfeorganisationen hinausgehen.

Ebenso unterstützen Selbsthilfe-Organisationen (SHO) jeweils krankheitsspezifische Selbsthilfe-Aktivitäten vor Ort. Von diesen haben sich viele in der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe von Menschen mit Behinderung, chronischer Erkrankung und ihren Angehörigen (BAG SELBSTHILFE e.V.) zusammengeschlossen.

Beide, SHU und SHO, können dabei helfen, sicher zu stellen, dass an Selbsthilfe interessierte Terroropfer auch die Voraussetzungen zur Teilnahme an SHG erfüllen und Vermittlungs- und Aufklärungsaufgaben übernehmen. Sie können sich darüber hinaus mit anderen Einrichtungen der Opferhilfe zum Zweck des Austausches und der gegenseitigen Information vernetzen.

Die Erfüllung beider Funktionen wiederum kann und sollte gefördert werden. Dabei sollten zunächst psychotraumatologische Fortbildungs- und Unterstützungsangebote sowie die Schaffung jeweils regionaler Transparenz und Vernetzung der Hilfsangebote für Terror- bzw. Gewaltopfer unterstützt werden. Darauf aufbauend ist dringend ein Prozess zur Klärung der individuellen Voraussetzungen der SHG-Teilnahme von traumatisierten Terroropfern und der Vorgehensweisen von SHU zu empfehlen, der zunächst aus dem Kreis der Selbsthilfe-Unterstützer*innen heraus entwickelt werden sollte.

Die gesundheitliche gemeinschaftliche Selbsthilfe und die Einrichtungen zur Selbsthilfe-Unterstützung sollten dementsprechend in ein Gesamtkonzept zur Opferhilfe eingebunden werden.

 

Download: Expertise zur gemeinschaftlichen Selbsthilfe von Terroropfern

Zugang zur Expertise über das Bundesministerium für Gesundheit