Verantwortung für Integration im Dorf

Bearbeiterin: Lien Lammers

Langtitel der Arbeit: „Einfluss von Erfahrungen und Gedächtnis auf Verantwortungsübernahme für Migrationsprozesse im Dorf“

Laufzeit: 01.04.2017 – 30.03.2020

Thema: Internationale Migration und damit einhergehend Fragen der Integration im Ankunftskontext sind zumeist Themen städtischer Agglomerationsräume. Aber auch Dörfer und Kleinstädte in ländlichen Räumen sind historisch und gegenwärtig von Migrationsbewegungen geprägt und sehen diese teilweise als Chance, um demografische Entwicklungen abzuwenden und ungenutzte Potenziale auszuschöpfen. Dabei sollen im Promotionsvorhaben „migrationserfahrene Dörfer“ untersucht werden, womit jene gemeint sind, die seit dem Jahr 1945 unterschiedliche Zuwanderungsphasen durch Vertriebene und Flüchtlinge, Arbeitsmigrant*innen, (Spät-)Aussiedler*innen oder Geflüchtete erlebt haben. Dabei stellt sich im Promotionsvorhaben die Frage, inwiefern sich Erfahrungswissen durch Verantwortungsübernahme lokaler Integrationspolitiken für Migrationsprozesse im Dorf entwickelt hat.

Mit Blick auf Verantwortungsübernahme und –aufteilung für Integrationspolitik zwischen Gemeinde und Zivilgesellschaft sowie Alteingesessenen und Neuzuwandernden ist bisher wenig zu ländlichen Räumen geforscht worden. Dörfer und Kleinstädte in ländlichen Gemeinden weisen dabei im Gegensatz zu Großstädten eine geringere Verfügbarkeit von Integrationsangeboten durch räumliche Distanzen und finanzielle Ausstattungen von Verwaltungen auf, sodass zivilgesellschaftlichen Aktivitäten eine besondere Bedeutung zukommt. Unter Berücksichtigung von Studien zu Integration in ländlichen Räumen stellen sich migrationserfahrene Gemeinden gegenüber jenen mit geringem Erfahrungsschatz als erfolgreicher in der Ausgestaltung von Integrationspolitik dar. Wobei diese Erfahrungen im Sinne von historischem Wissen und routinierten Handlungsabläufen in Organisationen nicht weiter definiert werden. Diese Lücke soll im Promotionsvorhaben ergänzt werden, indem der Einfluss von Erinnerungen als sichtbarer Teil des Gedächtnisses von Organisationen im Dorf herausgearbeitet werden sollen.

Untersucht werden soll die Fragestellung an Hand einer Fallstudie eines Dorfes in Niedersachsen. Dabei wird zunächst eine Dokumentenanalyse von Zeitungsartikeln mit lokalem Bezug seit dem Jahr 1945 und in Ergänzung mit Gemeinderatsprotokollen und –beschlüssen sowie Chroniken lokaler Organisationen umgesetzt, um Hintergrundwissen und Zusammenhänge zu erarbeiten. Darauf aufbauend sollen Expert*inneninterviews mit lokalen Institutionen zur Ausgestaltung der Verantwortungsübernahme für Integration und den jeweiligen Einflussbedingungen geführt werden. Darüber hinaus sollen Interviews mit Alteingesessenen und Neuzugezogenen geführt werden.

Gefördert durch:  Georg-Christoph-Lichtenberg-Stipendium des Landes Niedersachsen im Rahmen des Promotionsprogramms „Dörfer in Verantwortung – Chancengerechtigkeit in ländlichen Räumen sichern“ der Universität Vechta, der Leibniz Universität Hannover und der Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen (HAWK)

Betreuer: Prof. Dr. Karl-Martin Born, Uni Vechta; Prof. Dr. U. Harteisen, Regionalmanagement, Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) Göttingen