Resilienz in Dörfern

Bearbeiter: Doktorand Alistair Adam-Hernández       Alistair Adam FG

Vorläufiger Titel der Arbeit: „Resilienz im sozioökologischen System Dorf“

Laufzeit: 1.6.2016 – 31.10.2019

Betreuer: PD Dr. Karl Martin Born (Universität Vechta), Prof. Dr. U. Harteisen, Regionalmanagement, Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) Göttingen

Thema: Ein Ziel europäischer Regionalpolitik ist die Verringerung unterschiedlicher Entwicklungsstände innerhalb und zwischen den Mitgliedstaaten (Art. 174 des Lissabonner EU-Vertrags). Besonders benachteiligte Gebiete, welche von schleichenden, tiefgreifenden und zudem zum Teil bedrohlichen Transformationsprozessen wie der Globalisierung, dem demographischen Wandel sowie dem Klima- und Energiewandel betroffen sind, sind dabei die ländlichen Räume Europas. Zu untersuchen, wie diese in Hinblick auf ihre Zukunftsfähigkeit geeignete Anpassungsstrategien entwickeln und kreativ mit dem Wandel umgehen, ist die Forschungsmotivation des Doktoranden. Im Kontext von gesellschaftlichen, ökonomischen und ökologischen Wandlungsprozessen gewinnt ein Begriff mit einem sehr breiten Assoziations- und Kommunikationszusammenhang an Bedeutung: Resilienz. Hilft das Konzept der Resilienz, die Anpassungsfähigkeit von Dörfern zu erklären? Welche räumlichen, ökologischen, ökonomischen oder soziokulturellen Eigenschaften begünstigen oder benachteiligen, dass Dorfgemeinschaften sich immer wieder neu ersinnen und Wege aus der Krise finden? Es soll international vergleichend untersucht werden, welche Aspekte ein Dorf im beschriebenen Sinne „resilient“ machen. Dazu ist die Durchführung von Interviews mit Dorfakteuren im deutsch-, englisch- und spanischsprachigen Raum geplant.

Gefördert durch: MWK Hannover, im Rahmen der „Fachhochschulforschung als Motor regionaler Entwicklung“, Projekt: „HAWK – Technische, sozio-ökonomische und ökologische Forschung zur nachhaltigen Entwicklung der Region Südniedersachsen“

Aktuelle Presseerklärung:

Doktorand der HAWK beim 28. Kongress für ländliche Soziologie in Norwegen dabei

Der 28. Kongress der Europäischen Gesellschaft für Ländliche Soziologie fand in der Zeit vom 25. bis zum 28. Juni 2019 im norwegischen Trondheim statt.

Dort diskutierten ca. 370 Teilnehmer*innen aus allen Kontinenten über „Ländliche Zukunft in einer komplexen Welt“. Eine beeindruckende Bandbreite an Themen ermöglichte spannende Arbeitsgruppen und Vorträge zum Beispiel zur ökologischen Landwirtschaft und nachhaltiger Lebensmittelproduktion, zu sozialen und räumlichen Disparitäten, zum ländlichen Unternehmertum und Gründungsklima, zu Intersektionalität und Exklusionserfahrungen oder zur Kunst als Katalysator von Stadt-Land Beziehungen, um nur einige Beispiele zu nennen.

M.A. Alistair Adam Hernández von der Forschungsgruppe Ländliche Räume und Dorfentwicklung der Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst in Göttingen, der in Kooperation mit der Universität Vechta promoviert, leitete zusammen mit weiteren Wissenschaftler*innen aus Schottland (James Hutton Institute) und Irland (Institute for Action Research & University of Limerick) eine Arbeitsgruppe zur „Resilienz ländlicher Gemeinschaften“.

Mit insgesamt zwölf Beiträgen in drei verschiedenen Sitzungen diskutierten Wissenschaftler*innen aus Europa und Australien über die Verbreitung des Konzeptes und das unterschiedliche Verständnis von Resilienz in Theorie und Praxis. Dieser umstrittene Begriff prägt mittlerweile die Gesetzes- und Richtliniengestaltung mehrerer Länder, was Dorfgemeinschaften teilweise ermächtigen, aber auch unter Druck setzen kann. Zudem ist oft nicht klar, ob mit dem Fachbegriff eine „Alltagsresilienz“ oder eine „Bereitschaft für Umweltkatastrophen“ gemeint ist. Als besonders spannend erwiesen sich die konkreten Beispiele von potenziell resilienten Dörfern, womit besonders lebendige und auch anpassungsfähige, sogar transformative Dorfgemeinschaften aus Österreich, Spanien, England, Deutschland, Griechenland oder Australien gemeint sind. Zuletzt wurden die Resilienz der Grundeinheit landwirtschaftlicher Produktion, des Hofes, sowie des landwirtschaftlichen Gesamtsystems Gegenstand der Diskussion.

Festgehalten werden kann, dass Resilienz als Konzept weiterhin in Zukunft ihre umstrittene Natur behalten wird und ihre Kraft als befähigende Metapher ebenfalls. Von besonderem Nutzen für Entscheidungsträger, Gesetzgeber, Gemeinwesen-Entwickler oder ländliche Gemeinschaften generell wird es sein, dass Wissenschaftler*innen dazu beitragen, diesen diffusen Begriff zu konkreten und praktischen Handlungsempfehlungen herunter zu brechen. Darauf einigten sich die Teilnehmer*innen der Arbeitsgruppe und verabredeten sich, diesbezüglich an einem gemeinsamen und hierfür geeigneten Beitrag zu arbeiten.

Einige Teilnehmer*innen der Arbeitsgruppe – Alistair Adam Hernández (ganz rechts)