Marit Schröder erfolgreich im HAWK-Forschungsschwerpunkt „Ländliche Räume“ promoviert

Marit Schröder hat am 1. März 2018 mit der Disputation an der Universität Vechta ihre Promotion mit der Gesamtnote ‚summa cum laude‘ abgeschlossen. Die Dissertation mit dem Titel ‚Gleichwertigkeit jenseits von Angleichung – Rahmenbedingungen infrastruktureller Daseinsvorsorge in peri­phe­ren ländlichen Räumen‘ wurde von Prof. Dr. Ulrich Harteisen (HAWK) und Prof. Dr. Karl Martin Born (Universität Vechta) betreut.

Beide Betreuer waren sich einig, dass die Dissertation von Frau Marit Schröder eine eindrucksvolle intellektuelle Gesamtlei­stung darstellt, wobei sowohl die Ausführungen zur Theorie als auch die empirische Forschung in ei­ner bemerkenswerten inhaltli­chen Tiefe er­folgen. Die Autorin bezieht zudem eindeutig Position und betont die Notwendigkeit, am Gleichwertigkeitspostulat festzu­halten, zeigt aber gleichzeitig auf, dass es dabei in Zukunft mehr denn je darauf ankommt, dass die infrastruk­turelle Daseinsvorsorge als ein dyna­misch-prozessuales und situatives Konzept verstanden wird.

Marit Schröder hat nach einem Bachelorstudium an der Universität Osnabrück an der HAWK-Fakultät Ressourcenmanagement in Göttingen den Masterstudiengang Regionalma­nagement und Wirt­schaftsförderung abgeschlossen und konnte anschließend im Rahmen des Forschungsschwer­punktes DIALOG (VW-Vorab) mit einem Promo­tionsstipendium gefördert werden. Die Promotion erfolgte nun in Kooperation mit der Fakultät II – Natur- und Sozialwissenschaften der Universität Vechta.

 

Einbindung des Promotionsvorhabens in den Forschungsschwerpunkt DIALOG und inhaltliche Zielsetzung

Im Rahmen des Forschungsschwerpunktes DIALOG (2011-2017), gefördert mit Mitteln des Nie­dersächsi­schen Vorab der Volkswagen-Stiftung über die Arbeitsgruppe Innovative Projekte (AGIP) beim Ministe­rium für Wis­senschaft und Kultur des Lan­des Niedersachsen, wurden insgesamt drei Promotionsvorhaben bearbeitet. Im Rahmen ihres Promotionsvorhabens hat sich Marit Schröder mit dem Verständnis von infrastruktureller Daseinsvorsorge und deren Sicherstellung in peripheren ländlichen Räumen im Kontext aktueller Transformationsprozesse auseinandergesetzt. Die Forschung fokussiert dabei insbesondere auf das oft eingefor­derte und in Teilen schon praktizierte neue Miteinander von Staat und Bürgergesell­schaft und hinterfragt die Ver­antwort­lich- und Verlässlichkeiten in Bezug auf die Erbringung von Daseinsvorsor­geleistungen. Die Forscherin hebt hervor, dass die Perspektive von Bürgerinnen und Bürgern bisher kaum in die Gestaltung der Rahmenbedingungen infrastruktureller Da­seinsvorsorge eingeflossen ist. Hier sieht Frau Schröder auch eine methodische Forschungslücke, die sie durch ihre qualitative Forschung, die dieser „Akteursgruppe (den Bürgern) eine Stimme verleihen“ will, schließen möchte. Die empirische Forschungsarbeit erfolgte in der Samtgemeinde Kirchdorf (Ldkr. Diepholz/Niedersachsen).

Ein zentrales Ergebnis formuliert die Autorin so: Die individuelle Kapitalausstattung entscheidet heute mehr denn je über die Möglichkeit der infrastruktu­rellen und sozialen Teilhabe, was im Umkehrschluss bedeutet, dass die Men­schen, denen eine entsprechende individuelle Kapitalausstattung fehlt, gerade in ländlichen Räumen mit aus­geprägten De-Infra­strukturalisierungsprozessen besonders „abgehängt“ sind. Eine Entwicklung, die eine erhebliche po­litische Sprengkraft birgt und sicher auch deshalb zunehmend in politischen Program­men thematisiert wird. Die Autorin spricht weitere Veränderungs­prozesse an, wie etwa die „Ausdünnung der engagementbereiten Mitte“, die am Ende dazu beitragen könnten, dass auch bei einer ausgeprägten Engagementbereitschaft in ländlichen Räumen infrastrukturelle Kom­pensationsleistungen aufgrund fehlender personeller Ressourcen auch und vielleicht gerade in peripheren ländlichen Räumen immer schwieri­ger zu erbringen sind.

Die empirische Forschung unterstreicht die Notwendigkeit der schon im theoretischen Diskurs thematisier­ten Neuinterpretation des Grundsatzes der Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse. Die Autorin verweist in diesem Zusammenhang auf das europäische Leitbild einer differenzierten Kohäsion und regt an, bei der Neu­interpreta­tion des Grundsatzes der Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse die Vielfalt (Heterogenität) der ländlichen Räume als Vorteil zu begreifen und in besonderer Weise zu thematisieren. Auch deshalb sollte die infrastruktu­relle Daseinsvorsorge zukünftig als ein dynamisch-prozessuales Handlungsfeld mit ausge­prägtem lokalen Bezug verstanden werden. Dieser Gedankengang wird in der Übertragung auf die Daseins­vorsorge als innovativ und richtungsweisend bewertet.

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